Was ist ein Achillessehnenriss?
Ein Achillessehnenriss ist eine plötzliche oder schleichend entstandene Durchtrennung der Sehne, die den Wadenmuskel mit dem Fersenbein verbindet. Sie spielt eine zentrale Rolle bei jeder Bewegung, die mit Abrollen oder Abstoßen des Fußes verbunden ist. Reißt die Achillessehne, ist diese Kraftübertragung unterbrochen. Betroffene können den Fuß nicht mehr richtig abdrücken oder auf den Zehenspitzen stehen.
Ursachen und Symptome einer Achillessehnenverletzung
Typisch für den Riss ist ein deutlich hörbares Knallgeräusch, das an einen Peitschenhieb erinnert. Unmittelbar danach treten starke Schmerzen in der unteren Wade auf, und das Gehen ist kaum noch möglich. Betroffene berichten oft von einem Gefühl, als hätte jemand von hinten gegen die Ferse getreten. Auch Schwellung, Bluterguss und eine tastbare Delle über dem Fersenbein sind häufige Anzeichen. Der Riss tritt häufig bei sportlicher Aktivität auf, zum Beispiel beim Sprung, Sprint oder abrupten Richtungswechsel. Doch auch alltägliche Bewegungen können die Sehne überlasten, vor allem wenn sie bereits durch Fehl- oder Überbelastung geschwächt ist. Besonders gefährdet sind Menschen mittleren Alters, die nach einer langen Sportpause wieder in das Training einsteigen oder ihre Trainingsintensität zu schnell steigern.
Nicht immer ist eine einmalige Bewegung der Auslöser eines Achillessehnenrisses. Oft liegen degenerative Veränderungen zugrunde, die über Jahre entstehen. Durch wiederholte Mikrotraumen, also kleinste Verletzungen in der Sehne, wird das Gewebe nach und nach geschwächt. Diese Veränderungen führen dazu, dass die Achillessehne an Elastizität verliert und spröde wird.
Diagnose: Wenn der Verdacht auf einen Achillessehnenriss besteht
Bei Verdacht auf einen Achillessehnenriss erfolgt zunächst eine körperliche Untersuchung. Der Arzt prüft, ob der Patient auf den Zehenspitzen stehen oder das Sprunggelenk aktiv bewegen kann. Ein weiterer, einfacher Test ist der sogenannte Wadenkneiftest. Wird die Wadenmuskulatur zusammengedrückt und der Fuß bewegt sich nicht wie gewohnt, liegt sehr wahrscheinlich ein Riss vor. Ultraschall oder MRT können den Befund bestätigen und zeigen, wie groß die Lücke zwischen den Sehnenenden ist.
Behandlung: Sehnenerhalt hat oberste Priorität
Ziel der Behandlung ist es, die Funktion der Achillessehne vollständig wiederherzustellen. Wann immer möglich, versuchen die Spezialisten der Sportklinik Hellersen, die originale Sehne zu erhalten.
Bei frischen Rissen erfolgt in der Regel eine Operation, bei der die Sehnenenden wieder zusammengenäht werden. Je früher der Eingriff erfolgt, desto besser sind die Heilungschancen. Hat sich der Riss bereits zurückgebildet oder liegt er länger zurück, kann eine sogenannte Umkippplastik durchgeführt werden. Dabei wird die Sehne halbiert, umgeklappt und überlappend vernäht. So bleibt die Kraftübertragung vom Wadenmuskel erhalten.
Ist diese Methode nicht mehr möglich, kommt ein Sehnentransfer infrage. Dafür wird eine der Beugesehnen der Großzehen verwendet, um die Funktion der Achillessehne wiederherzustellen. Die Ersatzsehne wächst mit der Zeit in ihre neue Aufgabe hinein und sorgt für Stabilität beim Gehen und Stehen.
Wenn auch diese Option nicht ausreicht oder keine geeignete Sehne mehr vorhanden ist, kann eine Spendersehne eingesetzt werden. Dadurch lässt sich die Beweglichkeit des Fußes erhalten und die Funktion der Achillessehne weitgehend wiederherstellen. Entscheidend ist, dass der Eingriff zeitnah erfolgt, um die bestmögliche Funktionalität zu sichern.
Achillodynie: die schmerzhafte Vorstufe
Nicht immer reißt die Achillessehne vollständig. Eine Reizung oder Verdickung der Sehne, auch Achillodynie genannt, ist sogar deutlich häufiger. Sie entsteht durch chronische Überlastung, etwa beim Joggen, Bergaufgehen oder Treppensteigen. Anfangs treten die Schmerzen nur bei Belastung auf, später schon im Alltag.
Betroffene berichten häufig von Druckschmerz und Schwellungen im Bereich der Sehne. Wird die Überlastung nicht rechtzeitig behandelt, können kleine Teilrisse entstehen, die das Risiko für einen vollständigen Achillessehnenriss erhöhen.
In den meisten Fällen wird zunächst konservativ behandelt, mit Schonung, physiotherapeutischen Maßnahmen und gezieltem Training der Wadenmuskulatur. Bleiben die Beschwerden länger als ein Jahr bestehen, kann eine Operation helfen. Dabei wird das geschädigte Gewebe entfernt und die Sehne wieder verschlankt vernäht, wodurch sie schneller heilt als bei einem kompletten Riss.
Frühe Diagnose sichert bestmögliche Heilung
Ob akuter Achillessehnenriss oder chronische Reizung, entscheidend für eine erfolgreiche Behandlung ist die frühe Diagnose. Wer beim Gehen Unsicherheit spürt, über Schmerzen an der Ferse klagt oder nicht mehr richtig über den Vorfuß abrollen kann, sollte zeitnah einen Spezialisten aufsuchen. Mit der richtigen Therapie und Geduld lässt sich die volle Funktion der Achillessehne in den meisten Fällen wiederherstellen, und ein Weg zurück in den aktiven Alltag ist realisierbar.